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Shopping mit Beethoven

Jahreszeiten-Konzerte der Hamburger Camerata im Hanseviertel


Eine Glaskuppel wie in Mailands Einkaufsedelmeile. Hinein lächelt ein durchsichtig-hellblauer Septemberhimmel, Lichterglanz spiegelt sich in Kristalllüstern, High-Heels und hingebungsvolle Récamièren prunken im Schaufenster. Die Hanseviertel-Passage: ein Traum aus Noblesse, um das Leben neu zu arrangieren. Doch da strahlt plötzlich noch eine Schönheit in den Herbstnachmittag: Kammermusik, erschaffen von den Großen der Klassik-Ära. Sie erfüllen die Läden mit Allegro, Adagio, Scherzo, Presto, überraschen, inszenieren und schmücken das Hanseviertel: die Jahreszeitenkonzerte der Hamburger Camerata.

Jahreszeitenkonzerte der Hamburger Camerata
Jahreszeitenkonzerte der Hamburger Camerata © Ursula Klepper

Saisonal und sensationell preiswert (nämlich kostenlos) präsentiert sich dieses Format der Jahreszeitenkonzerte aus der Reihe „Stadtmusik“. Die Musik der Hamburger Camerata durchzieht Hamburgs Räume wie eine Lichterkette des Klangs. Sommerserenaden schippern auf Alsterdampfern. Klassik besiegt studentischen Monday-Blues im Abaton-Bistro. Sogar echte Romantik gibt es noch - bei der Schubertiade im Altonaer Museum. Und im Komponistenquartier erweist das Kammerorchester Hamburgs berühmtem Geschwisterpaar Felix und Fanny Mendelssohn Reverenz. Ideen voll Liebe zur Hansestadt. Ob als Fixstern der Hamburger Kirchenmusik oder als Laiszhalle-Highlight: in immer neuen musikalischen Bildern spricht die Hamburger Camerata ihr Publikum an, mit fremden Genres flirtend, von arabischen Ländern verzaubert oder musikbiografisch verwoben.

Jung, wild, stark: Beethoven (Streichtrio G-Dur Opus 9 Nr. 1)


Delikatessengeschäft „Mutterland“
Delikatessengeschäft „Mutterland“ © mutterland.de

Mit Beethovens Streichtrio G-Dur Opus 9 Nr. 1. spielt sich heute, am 08. September 2017, ein Querdenker in die Herzen. Der gern im Casual Look herumlaufende Beethoven ließ sich nur widerstrebend auf aristokratische Diners und Rituale ein¹. Das entspannt ins Konzert strömende Hanseviertel-Publikum würde ihm sicher besser gefallen.

Geige, Bratsche, Cello starten furios: wie können nur drei Musiker so viel geballte Beethoven-Emotion entfachen? Das virtuose Frühwerk des Komponisten erhebt sich aus vier Triosätzen in die ätherisch wirkende Glaskuppel, vom Duft hochwertiger Kosmetik sowie Kaffee- und Kuchen-Reizen begleitet. Ein „symphonisch“- cineastisches Erlebnis. Beethoven, durchaus selbstbewusst, hatte das Trio seinem Mäzen, dem irischen Grafen von Browne, gegenüber einmal „das Beste seiner Werke genannt“ (es folgten noch viele wunderbare, doch keine Streichtrios mehr)¹.

Bereits der erste Satz - Allegro con brio - gibt alles: die Melodie fegt wie ein Herbststurm durch die Halle, nicht unähnlich dem jugendlichen Beethoven, dessen Klavierimprovisationen die adelige Hörerschaft von den Stühlen riss. Dann wieder Melodien, die das Ensemble wie satte, saftige Spätsommertage in Dur dahin tupft. Das Adagio des zweiten Satzes ergeht sich in lyrischer Melancholie, im Scherzo jedoch jubelt die Vorfreude²: auf winterliche Parties und Ballettabende in der Oper. Oder auch schon auf das nächste Jahreszeitenkonzert „Winter“ im Hanseviertel, mit Bratäpfeln und Zimtpunsch.

DIY-Design-Markt: „Freude, schöner Götterfunken“³
DIY-Design-Markt: „ Freude, schöner Götterfunken“³ © Ulrike Korb

Und erst das Presto – übermütig überschlägt es sich im temporeichen Glücksrausch², dreht Pirouetten in den Sinnen. Mein Gott, diese Musiker, so schnelle Läufe, das muss doch extrem schwierig sein! Eine Hommage an Beethovens starken Charakter, der später trotz schwerer Leiden der Taubheit Weltberühmtes wie die Neunte Sinfonie mit dem „Götterfunken der Freude“ schuf. Passanten halten erstaunt inne, wollen gar nicht mehr weg. Dieses Presto! Es ist wie das Leben selbst, jung, schnell: Ballettsprünge, Speed-Date, Auslandssemester, neue Frisur, Start-Up-Lieblingsshop. Alles auf Anfang. Presto, Presto!

HANSEVIERTEL – Sinfonie der Accessoires


DIY-Designmarkt: Good vibes
DIY-Design-Markt: Good vibes by blackmoondesign.de © Ulrike Korb

Die Hamburger Camerata legt gerade eine kleine Konzertpause ein. Zeit, sich etwas umzuschauen in der Einkaufsmeile. Visuelle Opulenz allenthalben. Frühstück mit Stil? Im Delikatessengeschäft „Mutterland“ am Eingang Poststraße bekommt man alles, samt Bio im bunten Gewand, da macht selbst das Warten Spaß. Weiter vorn empfängt der CEDON – Design-Shop mit lebensfrohem Schaufenster. Aus Briefen, Büchern und Geschenkkarten blinken freundliche Mottos in Pink, Rot und Neon-Grün. Metallic-Kerzenhalter, Rucksäckchen mit Karibik-Flora, knuffige Figürchen sorgen für Freizeit- und Schreibtischamüsement.

Geschäftsführer Klaus Kolb
wenckis-schmuckereien.de und cokoe.de © Ulrike Korb + GH

Sie brach auf, um den Globus zu erobern: die Kunstgalerie Carré d’artistes aus Aix-en-Provence. Seit 2002 sind 36 Läden der Galeriekette weltweit für Kunsthungrige entstanden. Eine davon liegt im Hanseviertel, geschützt in der Rotunde am Ende der Basilika-artigen Passage. Davor ein Café, das allmorgendlich zu den Bistrotischen mobile Versatzstücke der Fifties gesellt: die Vespa lässt grüßen. Die postmodern anmutende Galerie in puristischem Schwarz-Weiß präsentiert die handsignierten, pittoresken Originalwerke zeitgenössischer Künstler. Die Unikate sind in weißen oder aufwendigen Holzrahmen zu erschwinglichen Preisen erhältlich. Zu dem Rahmenservice und der hübschen Verpackung gibt es von den freundlichen Mitarbeitern noch einen kleinen Exkurs zu Werken und Biografie der Künstler, die sich wie ein Perpetuum mobile jährlich von einem Carré d’artistes zum nächsten bewegen. Ein Schimmer Montparnasse liegt hier verborgen. Unbedingt hingehen und die internationalen Künstler entdecken.

Kunstgalerie Carré d´artistes
Kunstgalerie Carré d´artistes © Ulrike Korb

Diese Passage, barrierefrei zertifiziert, ist ein Catwalk für alle, mit ständig neuen Sujets, die darüber spazieren. Jahreszeiten-Konzerte, Filmfest samt Sonntags-Shopping, LifeStyle-Sneaker-Ausstellung und - sehr erfrischend – der DIY Design-Markt, Talent-Bazar der Mode, Porzellan- und Kissenkunst. Hier tritt vegane Kosmetik strahlend luxuriös auf, Blumenstillleben á la Ikebana entfalten sich und vergoldete Wohlfühl-Sprüche schimmern aus stylischen Grußkarten. Sogar Parken kann schön sein: in einem wunderbaren Jugendstilhaus am Parkhaus Hohe Bleichen glänzen erlesene Schreibutensilien der Papeterie Bethge neben ZOE´s kultiger Mode.

Parfüm mit Mozart-Klängen


Düfte für Klassik-Diven
Düfte für Klassik-Diven © Ulrike Korb

Duft-Flakons, kostbare Cremes, Seifen im floralen Outfit: wie ein Corps de ballet tummeln sich die Schönheits-Elixire der Sahling-Düfte in Original-18. Jahrhundert-Schränken, von der Decke leuchtet ein Kronleuchter in klassischer Pracht. Das Parfum-Paradies liegt genau neben dem Konzert, als wär´s ein Bühnenbild der nun folgenden Mozart-Flötentrios (A-Dur und G-Dur). Das in A-Dur soll der stets zu Späßen aufgelegte Mozart als Nonsens-Feature auf etwas flach-musikalische französische Opern geschrieben haben⁴. Genau richtig für eine Einkaufspassage: einfache Melodien, sich wiederholend wie Girlies, die sich Bonmots zuwerfen. Die Flötistin, stilsicher im bodenlangen, nachtblauen Kleid, glänzt mit einem Solo im Menuett. Mozarts Anweisung für das Rondo erfüllt das Ensemble mit einem Augenzwinkern: “… graziös, aber nicht zu schnell und auch nicht zu langsam, soso, mit viel Ausdruck und Hingabe!”⁴… Musik, Mozartig leicht, mit einem Hauch Parfüm.

Rossinis Möbel-Märchen


Edel sei die Couch: WHO´S PERFECT
Edel sei die Couch: WHO´S PERFECT © Ulrike Korb

Knallfarbene Schauspielkomik, bezaubernde Melodien, Tempo im Gefühl: Rossinis pralle Opern - „Figaro hier, Figaro da, Figaro oben….“ (aus dem „Barbier von Sevilla“) - versetzten einst ganz Europa in Ekstase. „Une l´arme" - eine Träne - hätte man dem charmanten und witzigen Arien-Meister eher nicht zugetraut. „Une l´arme" - Thema und Variationen“, ein Spätwerk, das heute zum Schluss gespielt wird, offenbart die sensible Seite des Komponisten, so traurig singt das Cello. Doch dann blühen die samtigen Bogenstriche auf, wirbeln wie turtelnde Paare beim Winterball. Danke, Herr Rossini-„Crescendo“⁵, für dieses Finale – molto vivace! Da ist sie wieder, die italienische Lebenlust. Hätte der Genießer und Gourmet Rossini die italienische Interieur-Design-Dynastie WHO´S PERFECT gekannt, er hätte sofort die Edel-Chaiselonguen und puristischen Esstische in seine Villa bei Paris entführt. Hier im Hanseviertel (und in der Nordkanalstrasse) gibt es das Mobiliar zum Träumen: von der Mailänder Scala, in deren Logen italienische IT-Girls damals wie heute nette Neuigkeiten von ihren Galans empfangen⁵. Und dann die Kristalllüster! Sie schillern wie die Arien von Rossinis Operndiven. Das Beste: all diese eleganten Wohnungs-Lieblingsstücke vertragen sich mit einem normalen Geldbeutel. Who is perfect? Nun: WHO´S PERFECT (bietet das Beste aus Italien) und die Hamburger Camerata (hat gerade ein glanzvolles Konzert aufgeführt) kommen diesem ersehnten Seinszustand schon sehr nahe: La dolce vita MöBellissima!

Das Gold des Hanseviertels
Das Gold des Hanseviertels © Ulrike Korb

Das Konzert geht zu Ende – „une l´arme“ – eine Träne! Ah, es folgt noch eine kleine Zugabe: Cello-Jazz-Improvisationen. So Cosy! Synkopen, die sinnlich surren und gurren. Die Töne schweben den Gang hinunter, umgarnen Bouclé-Kostüme, Stilettos, Handbags und Kaffee-Melangen bei der großen Goldkugel in der Rotunde. Jetzt, nach dem Konzert, kann man das alles kaufen. Vielleicht aber auch nicht. Denn die Cello-Melodien, frisch aus der Fantasie geschöpft, genügen sich selbst, wollen nur eins, tanzen - und das Publikum auch. Magisch, diese Jahreszeitenkonzerte! Text: Ulrike Korb

Fotos: © mutterland.de, © Ursula Klepper, © Ulrike Korb

  • CEDON-Design & Konzertplakat

    CEDON-Design & Konzertplakat Hamburger Camerata - © Ulrike Korb

  • Jahreszeiten-Konzert der Hamburger Camerata

    Jahreszeiten-Konzert der Hamburger Camerata - © Ulrike Korb

  • Das putzige Café „fatunicornsweets.de“ Hohe Bleichen

    Das putzige Café „fatunicornsweets.de“ Hohe Bleichen - © Ulrike Korb

  • Blumenstillleben auf dem DIY-Design-Markt

    Blumenstillleben auf dem DIY-Design-Markt - bloomon.de - © Ulrike Korb

  • Kunstgalerie Carré d´artistes

    Kunstgalerie Carré d´artistes - © Ulrike Korb

  • Kultmode und Schreibwaren-Delight

    Kultmode und Schreibwaren-Delight am Parkhaus Hohe Bleichen - © Ulrike Korb

Quellenangaben...

Konzert am 08.09.2017...

Fotofreigabe...

Barrierefrei-Infos Hanseviertel:

Infos / Centermanagement:

Das Hanseviertel ist für Barrierefreiheit zertifiziert.
Alle Shops im Hanseviertel sind ebenerdig und barrierefrei über vier Eingänge zu erreichen. Ins Untergeschoss führt der Aufzug zum Rollstuhlgerechten WC.

Weitere Infos zur Barrierefreiheit siehe Infobox.