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Mit dem Rollstuhl ins Stadion

Sport begeistert die Massen. Jede Woche zieht es tausende Fußballfans in die Stadien der beiden großen Hamburger Traditionsvereine, HSV und FC St. Pauli. Auf Einladung der Fanbeauftragten war Hamburg-Barrierefrei vor Ort um sich ein Bild davon zu machen, was die Vereine für Fans mit Handicap machen. Fazit: „Die tun was“. Beim FC St. Pauli sitzen sie in der ersten Reihe. Beim HSV geht es für RollstuhlfahrerInnen im Familienblock ganz nach oben.

Der Ansturm der Fans

Vor dem Spielspaß liegt für alle HSV-Fans der lange beschwerliche Weg zum Stadion an der Sylvesterallee. Alle Welt wartet auf die direkte Anbindung der Sportstätten in Stellingen der U- und S-Bahn. Bis dahin drängen sich die Massen in Shuttle-Bussen, oder auf ausgetretenen Trampelpfaden. Schwerbeschädigte AutofahrerInnen steuern den Parkplatz „Weiss“ an. Alle RollifahrerInnen treffen sich an der Stadionrampe. Schiebhelfer unterstützen den Aufstieg zum „Langnese- Familienblock“. Dort sitzen die RollifahrerInnen „mittenmang“. Eine Begleitperson ist kostenlos dabei. Die steht bei ausverkauften Spielen hinter den Rollstühlen, ansonsten dürfen freie Sitzplätze genutzt werden.

HSV

Nicole Fister ist im Auftrag der Fans unterwegs. Als Ansprechpartner sämtlicher Fanclubs steht sie Rede und Antwort, beantwortet auch die unbequemen Fragen nach Fahrstühlen und rollstuhlgerechten Toiletten. Es befinden sich zwei rollstuhlgerechte WCs auf derselben Etage, die von Ordner betreut werden. Niemand steht gerne Schlange, daher sind die Orte für besondere Bedürfnisse sogar mit einer Ampel ausgerüstet. Bei den inneren Werten überzeugt das durchdachte Design der Arena. Klare Markierungen sorgen für optimale Orientierung. Beim Blick ins leere Stadion wird die Vorstellung lebendig, von einer Arena, erfüllt von Stimmung, Spannung und tollen Toren - mit Gesang und Musik einfach gigantisch, einfach familiär! “Hamburg meine Perle“ und Lotto King Karl gehören zum festen Unterhaltungsprogramm und sind inzwischen Kult.

Im VIP –Bereich der Logen ist auf jedem „Balkon“ ausreichend Platz um alles hautnah mitzuerleben. Der Business-Bereich ist großzügig gestaltet und bietet genügend Raum auch für Fans mit Handicap. Barrierefreie Sanitärräume sind vorhanden. Das Restaurant Raute im Stadion Innenbereich ist vom Feinsten. An zwei speziellen Tischen finden Rollstuhlfahrer ausreichend Platz. Verein und Fans nehmen ihre Verantwortung gegenüber Menschen mit Handicap ernst und machen fast alles möglich. Es gibt den Fanclub „Die Seehunde“, deren Mitglieder blind sind. In Kooperation mit der Universität Hamburg spielen Studenten ehrenamtlich Radioreporter und kommentieren live via Headset den gesamten Spielverlauf. Beim Behindertenbeauftragten, Björn Stenner, laufen alle Anregungen zusammen. Seit 25 Jahren leitet er den HSV Fanclub „Die Igel“. Gemeinsam mit den Verantwortlichen ist er immer auf der Suche nach einer Vereinfachung der Teilhabe. Das Ziel ist klar: ran an die Spieler - so dicht wie möglich.

St.Pauli

Bombenstimmung auch beim FC St. Pauli. Nach seinem Sieg über Bayern nennen sich die Fans gerne Weltpokalsiegerbesieger. Stolz weht die Freibeuterflagge über dem barrierefreien Millerntor-Stadion. Die Heimat der Kiezkicker liegt am Heiligengeistfeld, in Sichtweite der Reeperbahn. Der U-Bahnhof St. Pauli ist barrierefrei erschlossen und in allen öffentlichen Bereichen hat der Verein an Platz zum rangieren gedacht. Der separate Eingang und die Toilettenanlagen sind auch barrierefrei ausgebaut. Sven Brucks, der Sicherheitschef, hat Platz für 85 RollstulfahrerInnen. Direkt am Heiligen Rasen hat der Verein dazu ein langgestrecktes Podest für Menschen mit Handicap aufgebaut. Diese heißbegehrten Premiumplätze gehen montags nach dem Heimspiel in den telefonischen Vorverkauf. Auch beim FC braucht die Begleitperson nicht zu stehen. An der Wand, hinter den Rollstühlen sind komfortable Klappstühle angebracht. Unermüdlich ist die Fanbetreuung unterwegs, immer am Puls.

Damit setzt der Verein um, was in den von den Mitgliedern 2009 verabschiedeten Leitlinien des FC St. Paulis in Punkt fünf verabschiedet wurde: "Toleranz und Respekt im gegenseitigen Miteinander sind wichtige Eckpfeiler im FC St. Pauli." Und unter Punkt neun wird klar das Menschen mit Handicap dazugehören:" Es gibt keine 'besseren' oder 'schlechteren' Fans".