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Der Hammer Park – Pixel der Musen

Rosa, weiß, hellblau – ein Bouquet der Ballkleider: in ihren reich plissierten Seidenroben schreiten die Damen durch die große Halle, die Herren genehmigen sich noch einen Likör, bevor das Fest beginnt. Rosen aus dem Park zieren die Tische, die Wände sind prall mit Bildern behängt. Diplomat Karl Sieveking und Gemahlin Caroline, geborene de Chapeaurouge, geben sich die Ehre:


Heckengarten
Heckengarten

Vernissage für den König
So könnte es gewesen sein, an jenem 26. August 1840, im Hammer Hof am Hammer Park. Für die Ausstellung des Hamburger Künstlervereins anlässlich des Besuchs des dänischen Königs Christian VIII hatte Sieveking seinen Landsitz zur Verfügung gestellt. Damals trafen sich am Hammer Hof die Kunst- und Bildungselite. Kunstmäzen Sieveking war Mitbegründer des Hamburger Künstlervereins und unterstützte die hier organisierten zeitgenössischen Maler der Romantik, Lithografen und Architekten finanziell durch Aufträge für die Gestaltung seines Landhauses. Das mit Pinienholz vertäfelte und von Erwin Speckter mit antiken Motiven bemalte Arbeits-„Cabinet“ ist heute noch im Museum für Kunst und Gewerbe zu bewundern. Der Architekt Alexis de Chateauneuf hatte das Mobiliar entworfen und das Landhaus des Diplomaten gebaut. Der Hammer Park war damals im englischen Landschaftsstil mit landwirtschaftlichem Gut gestaltet.

Barrierefrei: Grün à la Linné
Den Hammer Hof gibt es nicht mehr. Der Hammer Park jedoch trotzte den Wutphasen der Geschichte. Wie Phoenix aus der Asche erhob er sich aus den Zerstörungen der französischen Belagerung 1813/14 und des Zweiten Weltkriegs.

Tee-Time am Teich
Tee-Time am Teich

Heute gibt er sich volksnah und verspielt, und so war er 1918 vom Ersten Hamburger Gartenbaudirektor Otto Linné auch geplant worden: als grünes Refugium für alle mit Spiel-Satz-Sieg-Potential. Linnés Markenzeichen sind der Heckengarten und zahlreiche Freizeitelemente: gartenlose Kinder können sich wahlweise an Fußballnetz, Viereinhalb-Sterne-Spielplatz und Tischtennis-Centre-Court austoben. An Minigolf und Liegewiesen entfalten sich Familiendynamiken. Je zwei barrierefreie Eingänge führen in den Park: am Hammer Steindamm 1, 2 (Buslinie 261), am Hammer Hof 3, 4 (Buslinie 116) und der Caspar-Voght-Straße 5, 6 (Buslinie 116, in der Nähe ist eine barrierefreie Toilette). Auf barrierefreien Wegen trifft der Spaziergänger zuweilen auf verträumte Reste aus Sievekings Englischem Garten: den von Erlen überdachten Ententeich, Skulpturen auf stillen Plätzen. Für Rollstuhlfahrer empfiehlt es sich, auf den Hauptwegen zu bleiben bzw. mit Begleitperson unterwegs zu sein, denn es gibt teilweise Treppenstufen am Ufer des Ententeichs und im Gebüsch (z.B. rechts am Eingang Caspar-Voght-Straße am Spielplatz), teilweise auch Gefälle in Waldgebieten.

Eingangstor Sievekingsallee
Eingangstor Sievekingsallee

Ballett am Park
Nah beim Park, in der Caspar-Voght-Straße, schimmert eine ganz besondere Facette der Kunst: das Ballettzentrum des weltberühmten Choreografen und Ballettintendanten John Neumeier. Hier proben das Hamburg Ballett, die Eleven der Ballettschule und das Bundesjugendballett. Letzteres ist eine eigenständige, vom Bund geförderte Kompagnie. Ihr Ziel: Tanzkreationen zu denen hinauszutragen, die bisher wenig Berührung mit klassischem Ballett hatten. Die Tänzer treten an ungewöhnlichen Orten auf: im Übel & Gefährlich, im U-Bahnhof, Seniorenheimen, Parks oder in der neu eröffneten Kunsthalle („Nocturnes – Intervention des Bundesjugendballetts in der Sammlung des 19. Jahrhunderts“). Vielleicht tanzen sie ja auch einmal am Löwen-Brunnen im Hammer Park: von solchen Sternen bestrahlt zu werden – kann es etwas Schöneres für einen Garten geben?
Der Hammer Park: Volkspark zwischen Vernissage und Spitzentanz.Text: U.Korb

  • Unter Bäumen

    Unter Bäumen

  • Wo geht´s denn hier zur Liegewiese?

    Wo geht´s denn hier zur Liegewiese?

  • Tanzarena in spe

    Tanzarena in spe

© Armin Hitzker

Park Karte
Gut Gut barrierefreier Zugang:
Hammer Steindamm (Buslinie 261)
Gut Gut barrierefrei:
Hammer Hof (Buslinie 116)
Gut Gut barrierefrei:
Caspar-Voght-Straße (Buslinie 116)
Schlecht Schlecht nicht barrierefrei:
Fahrenkamp – hohe Bordsteinkanten
Gut barrierefreie Toilette
Schlecht Spielplatz
Schlecht zum Ballettzentrum