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Apfel-Cranz - eine Vatertags-Feldstudie im Alten Land

Ein Königreich für ein Hausboot

Cranz, das kleine Dorf an der Este, wird von einem Mythos umrankt: am Vatertag, dem beliebten Feiertag, sollen die Herren als Bollerwagen-Bohémiens im Alten Land unterwegs sein. In Deutschlands größtem Obstanbaugebiet ist gerade Apfelblüte, und die von Vaterpflichten Beurlaubten steuern gut gelaunt die Restaurants auf dem Deich an, um bei Nord-Bier und bärigen Sprüchen zu entschleunigen. Reden werden gehalten über „Vater: ohne den-geht-Nichts!“ und Gutachten zum optischen Nährwert vorbeigehender Damen erstellt. Auf der Este schippern Boote, Jugendträume leben auf vom Segeltörn in die Karibik, mindestens aber bis Blankenese!

 

Eingang zum ApfelparadiesBedingt Barrierefrei: Blüten an der Este
Weiße, nostalgische Gartentore, bunt bemalte Hauseingänge mit Blumenschmuck: die Häuser in Cranz haben etwas Zeitloses. An der Haltestelle „Altes Estesperrwerk“ der Linie 150 landet man genau im Zentrum des Dorfs. Malerische Restaurants wie das „Alte Fährhaus“ und seine Nachbarin, das „Gasthaus zur Post“, liegen auf dem Deich. Rollstuhlfahrer benötigen hier die Hilfe einer Begleitperson, um auf die recht steile und teilweise unebene Deichkrone bzw. durch die abschüssigen Einfahrten zu den Biergärten der Restaurants zu gelangen. Von hier aus hat man einen Traumblick auf die Este. Apfelbaumalleen versprühen rosa-weiße Farbtupfer, vor Apfelplantagen weiden Ziegen. Waren die 1341, im Geburtsjahr von Cranz, auch schon hier? Die mutmaßlichen „Ureinwohner“ wirken so friedlich, dass ihr Anblick als Beruhigungsmittel ärztlich verordnet werden könnte. Vom beeindruckenden neuen Sperrwerk Neuenfelde (Buslinie 150 Haltestelle Sperrwerk Estemündung) ist die mediterrane Schönheit des gegenüberliegenden Blankenese zu sehen; hier ist der Zugang barrierefrei. In die Cranzer Idylle gelangen Rollstuhlfahrer am besApfelblütenalleeten per Bus (Buslinie 150 Cranz Estebogen ab Altona Bhf. über Elbtunnel) oder PKW (über BAB A7 Abfahrt Waltershof Richtung Finkenwerder), denn der Fährweg ist - wegen der steilen und im Winter glitschigen Metallrampe am Anleger Cranz (Fähre) - nicht zu empfehlen.

Landmärchen ohne Allüren
Mit etwas mehr Barrierefreiheit – z.B. abgeflachten Deichrampen und barrierefreien Gehsteigen - würde Cranz zum Geheimtipp französischer Lebensart an der Landesgrenze zum Herzogtum Lauenburg. Übrigens: der Vatertags-Mythos hat sich in den Deich-Open-Air-Cafés in Wohlgefallen aufgelöst. Nein, lärmende Männergruppen seien hier nicht gesichtet worden, berichten die freundlichen Serviererinnen. Stattdessen gebe es viel gemischtes und entspanntes Publikum, das bei Kaffee und Apfelkuchen philosophiert und die Este fotografiert. Das Bollerwagentum ist wohl doch nur eine Deich-Saga und der Vatertag netter als sein Ruf. Und wer einen größeren Aktionsradius braucht, findet ihn beim Fremdenverkehrsamt Altes Land.

Cranz: Deich-Kaffee mit Este-Esprit und Apfel-„Cranz“.Text U.Korb