Eppendorf - angeben und ausgeben

Eppendorfer Landstrasse in Hamburg-Eppendorf
... hier liegt beides nahe beieinander. Kaum ein Hamburger Stadtteil wird so kontrovers diskutiert wie dieser gleichzeitig "geliebte und gehasste". Von jeher war Eppendorf eine "bessere Wohngegend" und glücklicherweise wurden viele der wunderschönen Jugendstilhäuser im zweiten Weltkrieg nicht zerstört. So hat dieser Stadtteil den bezaubernden Charme, der Hamburg das gewisse "britische Flair" verleiht. Hier wohnen nicht nur Wichtige und Reiche, sondern auch alteingesessene Bürger. Menschen, die Eppendorf noch aus der Zeit kennen, als Begriffe wie "Luxussanierung" und "Mietwucher" unbekannt waren.


Eppendorfer Hayns Park in Hamburg
Frühstücken mit "Dittsche"

Tagsüber trifft man sich auf der Eppendorfer Landstraße. Morgens wird beim Hansebäcker Junge gefrühstückt. Häufig sitzt man dabei neben Prominenten wie Olli Dittrich und Harry Rowohlt. Nach dem Wochenendeinkauf im Schlemmermarkt gibt es Kaffee und Kuchen im Café der ehrwürdigen Konditorei Lindtner. Anschließend geht man Schaufenstergucken bei Anita Hass. Wenn die Sonne scheint, schmeckt es am Ende der Straße beim Ex-Mann von Cornelia Poletto, im Remigio, bekannt als "Polettos Winebar". Zum Nachtisch gibt es dann ein großes Eis im "Eiszeit", mit Blick auf die prächtigen Fassaden der Etagenhäuser an der Eppendorfer Landstraße. Das in Backstein gehaltene Postamt von 1929 und die alten Villen wirken wie ein liebevoll gestalteter Kontrast. Es ist die Vielfalt, die das Stück Straße zwischen Eppendorfer Markt und Eppendorfer Baum so reizvoll macht. Trotz hoher Fluktuation und neuer Geschäfte hat Eppendorf seinen schon seit Jahrhunderten bestehenden Charme nicht ganz verloren.


Eppendorfer Landstrasse (Hamburg-Eppendorf)
Wenn Hochzeiten baden gehen

Als architektonischer Prachtbau gilt das von Fritz Schumacher entworfene Holthusenbad an der Goernestraße. Durch Einbeziehung eines Standesamtes und einer Bücherhalle diente das Gebäude lange neben der Hygiene und der Erholung auch der Bildung sowie der Verwaltung. Im Obergeschoss der Badeanstalt war lange das Standesamt untergebracht. Ein paar Meter weiter geben sich heute die frisch getrauten Paare auch das "Jawort vor Gott" in der im 12. Jahrhundert gegründeten, sogenannten "Hochzeitskirche" St. Johannis. Diese Kirche ist mit seiner Holzfachwerkbauweise eines der Schmuckstücke unter allen Hamburger Kirchen.


Eppendorfer Johannes Kirche (Hamburg)
Das Ernst-Thälman-Haus - das "Lourdes" der Kommunisten

Neben dem Geburtshaus Karl Marx in Trier ist das Ernst-Thälmann-Haus der zweite deutsche Wallfahrtsort für "eingeschworene Kommunisten". Der Arbeiterführer und Vorsitzender der Vorkriegs-KPD lebte mit seiner Frau Rosa und Tochter Irma im zweiten Stock des Hauses in der Tarpenbekstraße 66, bis zu seiner Verhaftung im März 1933 durch die Nazis. Im Parterre des Hauses ist ein kleines Museum mit Devotionalien des Arbeiterführers und Politikers, sowie eine Bibliothek, als auch ein Raum für Veranstaltungen eingerichtet.


Wussten Sie schon

Geistreich geht es im 1927 erbauten Theater an der Ludolfstraße zu, das heute unter dem Namen Alma-Hoppes Lustspielhaus firmiert. Hier traten einst Wolfgang Borchert, Inge Meysel und Georg Thomalla auf. Heute ist die Bühne für sein politisch-satirisches Kabarett bekannt. Das Programm wird heute hauptsächlich durch das kabarettistische Hausensemble mit Jan-Peter Petersen und Nils Loenicker mit eigenen Produktionen bestritten.

Im Stadtteil Eppendorf liegen die meisten sozial-gemeinnützige Stiftungen der Hansestadt Hamburg. Hier sind einige genannt: Die Daniel-Schutte-Stiftung, das Mathildenstift und die Stiftung Anscharhöhe in der Tarpenbekstraße, die Stiftung Elim in der Frickestraße, das Gustav-Kaemmerer-Stift in der Schedestraße, das St.-Joseph-Stift in der Martinistraße und das St. Johanniskloster in der Heilwigstraße.


Eppendorf und die "Barrierefreiheit"

Viele Nebenstraßen im Stadteil haben nur schmale Gehwege, die darüber hinaus auch noch häufig ein starkes Quergefälle aufweisen und von gepflasterten Autoauffahrten unterbrochen werden. Zudem werden die schmalen Gehwege des Öfteren von rücksichtslosen Autofahrern zugeparkt. An Zäunen und Mauern abgestellte Fahrräder sind ein zusätzliches Ärgernis für Rollstuhl- und Kinderwagenfahrer. Die Hauptstraßen sind dagegen fast komplett mit abgesenkten Bürgersteigen versehen, die aber streckenweise noch zu hohe Kanten (über 2 cm) besitzen.

Von den beiden U-Bahnlinien (U1, U3), die den Stadtteil tangieren, ist nur die Bahnstation Kellinghusenstraße barrierefrei ausgebaut. Nur sie ist komplett mit Aufzügen, Rolltreppen und angehobenen Bahnsteigteilen versehen. Ausschließlich die Busse, die den Stadtteil erschließen, sind barrierefreie Verkehrsverbindungen.