HafenCity — gedacht, gesagt, getan

HafenCity am Kaiserkai

Manche Dinge gehen in Hamburg auch richtig schnell. Die HafenCity ist sicherlich ein gutes Beispiel dafür: Ein ganzer Stadtteil direkt an der Elbe, der entscheidend zu Hamburgs maritimer Identität beiträgt, im wahrsten Sinne des Wortes einfach aus dem Boden gestampft.

Die HafenCity liegt zwischen dem Baumwall im Westen, den Deichtorhallen im Osten und wird im Süden durch die Norderelbe begrenzt. Ihre Geschichte begann als historischer Anlandeplatz Hamburgs an einem Mündungsarm der Bille im neunten Jahrhundert und entwickelte sich seitdem nahezu ungestört weiter.

Im sechzehnten Jahrhundert entstanden außerhalb der alten Stadtmauer am Sand- und Broktor auf den Grasbrookinseln  Kehrwieder und Wandrahm Ansiedlungen von holländischen Kaufleuten und Arbeitern. Nachdem die Stadtmauer im neunzehnten Jahrhundert Stück für Stück dem Erweiterungsdrang der florierenden Handelsstadt fiel, dehnten sich durch Kanäle verbundene Hafenanlagen in dem Gebiet aus. Als 1883 dort der Freihafen auf dieser Grundlage entstand, um Zollformalitäten im Hafengebiet zu vermeiden, den Überseehandel zollfrei betreiben und Importgüter zollfrei, lagern und verarbeiten zu können, mussten ihm die Ansiedlungen weichen.

Die dem Freihafen zugehörige Speicherstadt ruht auf zahlreichen Eichenpfählen mit denen der unsichere Grund stabilisiert wurde. Sie steht unter Denkmalschutz und soll ins Weltkulturerbe aufgenommen werden. Ihre neugotische Backsteinarchitektur und die bei Dunkelheitseinbruch beleuchteten Brücken sind fester Teil des Hamburger Stadtbildes, während der Hamburger Hafen selbst mittlerweile elbabwärts liegt.

Im Hintergrund die Elbphilharmonie

In der Gegenwart haben noch Teppichhändler, Agenturen und verschiedene Museen, wie das Zollmuseum, das Gewürzmuseum und das Speicherstadtmuseum ihren Sitz in den alten Lagerhäusern. Auch das Miniaturwunderland, die größte Modelleisenbahnlage der Welt, und der Hamburg Dungeon, ein interaktiver Unterhaltungsbetrieb rund um Störtebeker, die Pest und den Brand von 1842,  ist in der Speicherstadt zu finden und auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Das Maritime Museum, mit seiner umfangreichen Sammlung von Schiffsmodellen, Konstruktionsplänen und Uniformen liegt zwar auch in einem aufwendig umgebauten Kaispeicher in der HafenCity, aber außerhalb der eigentlichen Speicherstadt.

Das Gebiet der Hafencity ist immer noch von Fluss- und Kanalläufen umgeben. Das macht die HafenCity attraktiv; nicht nur um dort zu arbeiten, sondern auch um dort zu wohnen oder einfach nur spazieren zu gehen. In Sachen Barrierefreiheit hat die HafenCity – einfach weil hier vieles nagelneu gebaut wurde – der Alt- und der Neustadt einiges voraus. Auf den großen, zentralen Plätzen wurde Rampen eingeplant und auch gebaut, die neuen Fußgängerbrücken sind in der Regel auch befahrbar. Aber natürlich ist die Grundlage dieses neuen Stadtteils alte Bausubstanz, so dass längst nicht jeder sehenswerte Ort auch problemlos erreichbar ist.

Die neu entstandene U4 bindet die HafenCity an das Hamburger U-Bahnnetz an und auch die Busse des HVV verkehren überall im Stadtteil. Aber Hamburg wäre nicht Hamburg, wenn nicht trotz allem auch etwas so richtig schief laufen würde: Während Hunderte von Wohnhäusern und Bürogebäuden hochge- und auch längst bezogen wurden, dümpelt ein Gebäude noch immer halbfertig vor sich hin und macht Planer, Bauträger und Baufirmen gleichermaßen lächerlich und die Hamburger wütend: die bis dato unvollendeten Elbphilharmonie, das künftiges Hamburger Wahrzeichen.