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Sternschanze

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich mag das Schanzenviertel, denn hier trifft man Leute, bekommt Kaffee, der auch noch so heißt und abends werden die Gehwege nicht hochgeklappt. Aber fangen wir am Anfang an...

Stadtteil Sternschanze von Kanonen, Schweinen und feierwütigem Volk

Im 17. Jahrhundert entstand hier eine sternförmige Verteidigungsanlage, die dem Viertel zu dem noch heute gebräuchlichen Namen verhalf. Die Schanze gehörte damals ebenso wie der Stadtteil Altona zum dänischen Königreich. Der militärische Charakter des Viertels hatte allerdings nicht sehr lange Bestand, schon im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte sich hier - auf der Suche nach Wohnraum im rasant wachsenden Hamburg - ein gutbürgerliches Klientel angesiedelt.

Seine Rolle als Verbindungsstadtteil zwischen Hamburg und Altona wurde 1866 mit der Erbauung der Bahnlinie zwischen den beiden Städten noch einmal deutlich unterstrichen. Und diese vorteilhafte geografische Lage war zweifellos auch der Grund, warum der Tierhändler Carl Hagenbeck 1874 auf dem heutigen Neuen Pferdemarkt seinen nach ihm benannten und später aus Platzgründen nach Stellingen abgewanderten Zoo einrichtete.

Hamburger Stadtteil Sternschanze Ein Viertel der Bewegungen

In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der zentrale Schlachthof Hamburgs an der Schanze gebaut, eine Maßnahme, die das gutbürgerliche in ein kleinbürgerliches Viertel wandelte, denn mit dem Schlachtbetrieb zogen natürlich auch die Arbeiter zu.

Ein Umstand, der dann auch im Nationalsozialismus Folgen hatte: So war der rote Hof in der Barthelstraße ein Ort, an dem sich Hamburgs Widerstandsbewegung etablierte. Auf diese Tradition des Widerstandes gegen die herrschende Politik beriefen sich dann ab den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die noch heute Anspruch auf diesen Stadtteil erheben. Die rote Flora ist nicht das einzige, aber ein deutlich sichtbares Zeugnis davon.

Rote Flora in der Sternschanze (Hamburg) Mittlerweile hat sich das Schanzenviertel zu einem multikulturellen Stadtteil entwickelt und sich einen Namen über die Grenzen von Hamburg hinaus gemacht. Im Sommer finden dort auf dem Schulterblatt Feste jeglicher Art statt. Die Anwohner der Schanze sind offen für alles und jeden, sie spiegeln immer noch die Arbeiterbewegung und in ihrem Handeln und sozialem Umgang mit Ihren Mitmenschen wider.

Hamburg anders, vielfältig und echt

Die Schanze ist ein "Muss" für jeden Besucher, der nicht das typische Hamburg-Programm absolvieren möchte, sondern sich lieber mit den Anwohnern auf ein Bier und einen netten Plausch einlassen möchte. Dort werden fast alle Sprachen gesprochen: Englisch, Türkisch, Portugiesisch, Arabisch, Französisch.

Hamburger Stadtteil Sternschanze Diverse Kneipen und gastronomische Betriebe, z.B. portugiesische Gebäckspezialisten, Fischrestaurants bis hin zum Traditionsbäcker Stendel, der dort seit über 100 Jahren ansässig ist, laden zum Kommen und Verbleiben ein.

Barrierefreiheit in der Sternschanze

In Sachen Barrierefreiheit ist die Schanze rein baulich nicht gerade ein Vorzeige-Quartier. Kopfsteinpflaster auf den kleineren Querstraßen, Kneipen mit Toiletten im Keller, deren Treppen so steil sind, dass sich selbst bewegliche Menschen bemühen müssen, ohne angeschlagenen Kopf und sturzfrei wieder ins Freie zu gelangen und die Gehwege rigoros mit Tischen und abgestellten Fahrräder zugestellt.

Aber dafür ist man hier freundlich und zugewandt. Es sind immer sofort Helfer zur Hand, niemand ist sich zu schade anzupacken und zu tun, was getan werden muss. Denn hier ist Miteinander Programm und Menschlichkeit so etwas ähnliches wie das ungeschriebene Gesetz der Straße. Das macht zwar die baulichen Barrieren nicht kleiner, aber die im Kopf der Menschen sind hier deutlich weniger vorhanden als anderswo.

(Autorin: Stefanie Bill)