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Das „Alte Land“

Äpfel im Alten Land

Das Alte Land ist berühmt für zwei Dinge: Obstplantagen und Arp Schnitger; d.h. die von ihm gebauten weltberühmte mechanischen Orgeln. Eine der Kirchen, in der eine solche Orgel in Betrieb ist, die St. Pankratius Kirche in Neuenfelde, ist jederzeit zugänglich und barrierefrei erreichbar. Allerdings braucht es dazu eine zweite Person, die den stufenlosen Nebeneingang von innen öffnet.

Museum Altes Land Jork

Die etwa 1.300 Bäuerinnen und Bauern im Alten Land; dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Nordeuropas, bestellen etwa 14.300 ha Land, auf dem rund 10 Mio. Obstbäume, vorwiegend Äpfel, wachsen. In Jork, dem Zentrum des Obstanbaus, laden verschiedene Hofläden zum Einkauf und zu Kaffee und Kuchen ein.

In Jork startet auch die berühmte Altländer Bimmelbahn, die gemütlich auf verschiedenen Routen durch die Obstplantagen zuckelt und auch auf RollstuhlfahrerInnen eingerichtet ist.

Sogar ein als „barrierefrei“ ausgewiesener gastronomischer Betrieb, der Biohof Ottilie, ist im Alten Land zu finden. Der Hof wird in einigen Internetportalen als „voll Rollstuhlgerecht“ geführt.

Außer von Obstplantagen ist die Landschaft geprägt von malerischen Ortschaften, scheinbar windschiefen Fachwerkhäusern, z.T. mit Reetdach, und viel Kopfsteinpflaster. Die beiden zauberhaften Städtchen - Stade (www.stade-tourismus.de) und Buxtehude (www.buxtehude.de) - waren seinerzeit Mitglied der Hanse.

Briefe an den Weihnachtsmann


In Himmelpforten wohnt sogar der Weihnachtsmann. Bzw. er betreibt dort, oder lässt betreiben, ein Weihnachtspostamt. Auf diese Weise können Kinder dem Weihnachtsmann schreiben. Adresse: An den Weihnachtsmann, 21709 Himmelpforten. In aller Regel werden die Briefe auch beantwortet.

Diese Gelegenheit nehmen jährlich Zehntausende wahr. „90 Prozent der Kinder äußern materielle Wünsche. Viele wünschen sich den Weltfrieden. Andere wünschen, dass die Eltern aufhören zu rauchen oder zu trinken. Auch Scheidungen, Krankheiten und Todesfälle sind wichtige Themen“, beschrieb „Weihnachtsmann“ Wolfgang Dipper in der taz. Manchmal weiß der allerdings auch nicht weiter, dann zieht er Fachleute zu Rate. Manche Kinder denken nicht nur an sich, sondern wollen auch dem Weihnachtmann etwas Gutes tun und legen ihrem Brief ein kleines Geschenk bei.

Vergangenheit und Gegenwart


Museum Schwedenspeicher

Die Geschichte des Alten Landes hat auch ein paar dunkle Flecken. Doch die Stadt Stade stellt sich seiner Vergangenheit und lässt dabei die unbequemen Kapitel nicht aus. So findet bei den regelmäßig veranstalteten Führungen zu bestimmten Themen nicht nur die Geschichte der Hanse Erwähnung, sondern es wird z.B. auch der NS-Opfer gedacht, für die der Künstler Günter Demnig seine berühmten „Stolpersteine“ verlegte. Bei den Führungen wird darauf geachtet, dass sowohl Menschen mit eingeschränkter körperlicher Mobilität als auch Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit teilnehmen können.

Unbedingt sehenswert ist der komplett barrierfrei ausgebaute Schwedenspeicher, eines der Museen in Stade. Das Museum ist nicht nur barrierefrei im Sinne von frei zugänglich und auf Besucherinnen und Besucher mit eingeschränkter Hörfähigkeit eingerichtet, sondern auch in ökonomischer Hinsicht: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt, großen Leuten mit kleinem Geldbeutet schont das Sozialticket die Familienkasse. Dort spielt jedoch nicht nur die Vergangenheit eine große Rolle, sondern auch die Zukunft: Beim „ThinkTank“ sind alle Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende eingeladen, ihre Vorstellungen über das Stade von morgen einzubringen.

Einer der dunklen Flecken ist die Hexenverbrennung, doch auch Buxtehude stellt sich seiner Vergangenheit; dort erinnert seit November 2017 ein Mahnmal an die betroffenen Frauen. Auch der Mord an dem ehemaligen Kapitän zur See, Gustav Schneeclaus, ist ein weiterer dunkler Fleck: Er wurde am 18. März 1992 von zwei Neonazis am Busbahnhof in Buxtehude bei einem Streit so brutal misshandelt, dass er vier Tage später seinen Verletzungen erlag.

Die Einheimischen gelten als bodenständig und umgänglich, können aber durchaus mal rebellisch werden, z.B. um den Ausbau der Landebahn für den A 380 zu verhindern.

Das Alte Land bewirbt sich um die Anerkennung als UNESCO Welterbe. Die Gemeinde Jork bietet die Möglichkeit, durch eine Webseite und einen Newsletter an diesem Prozess teilzuhaben. Ziel ist es, die „charakteristischen Strukturen des Alten Landes und damit letztlich die Unverwechselbarkeit des Landschaftsbildes in seiner Eigenart“ zu erhalten. Was würde in diesen Rahmen besser passen, als das Projekt des Herzapfelhofs, alte Apfelsorten zu rekultivieren und nachhaltig anzubauen. Die Früchte selbst zu pflücken bietet die Möglichkeit, an diesem Prozess aktiv teilhaben und ein Stück (zukünftiges) Weltkulturerbe sogar mit nach Hause nehmen zu können.

Barrierefreie Angebote


Viele der Obsthöfe im Alten Land bieten ihre Produkte in einem kleinen Hofladen zum Verkauf an, manche laden im Hof-Café zu Kaffee und Kuchen. Einige davon, wie z.B. der Herzapfelhof, sind barrierefrei. Dort können während der Saison, Ende August/Anfang September bis Ende Oktober/Anfang November die Äpfel sogar selbst gepflückt werden. Die Bäume stehen allerdings auf einer Wiese und sind mit dem Rollstuhl nicht erreichbar.

Im eingangs erwähnten Biohof Ottilie werden die Gäste an den Wochenende mit leckerem Kuchen und frisch gebrühten Kaffee verwöhnt, der Hofladen bietet Vielerlei vom Apfel und andere Leckereien verschiedener Obstsorten.

Die Region besticht durch eine Fülle von Angeboten, die es für Menschen mit Handicap, sowohl eingeschränkte Mobilität als auch akustische Einschränkungen, gibt. Die malerischen Ortschaften und Städtchen mit ihren verwunschenen Fachwerkhäuschen und dem vielen Kopfsteinpflaster sind romantisch. Doch, machen wir uns nichts vor, für alle diejenigen, die nicht gut zu Fuß sind, oder eingeschränkte Sehfähigkeit haben, ist es mit der Romantik schnell vorbei. Doch der „Rolliführer“ , der „Behindertenführer für den Landkreis Stade“, hilft so manche Klippe zu überwinden. So gibt es in der Stader Innenstadt einen rot abgesetzten Streifen, auf dem sich Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer ungehindert bewegen können.

Ein Teil der Geschäfte ist ebenerdig und barrierefrei zu erreichen. Im Sommer lädt überall Außengastronomie zum Verweilen ein. Menschen mit eingeschränkter Barrierefreiheit, die diese z.B. in der Altstadt von Stade genießen möchte, ermöglicht das eine öffentlich zugängliche barrierefreie Toilette. Eine solche gibt es auch am Bahnhof in Buxtehude. Für die Nutzung wird der „Euroschlüssel“ benötigt. Dieser ist für 20,- € beim „Club Behinderte und ihre Freunde“ (CBF) zu bestellen. Dieser Schlüssel ermöglicht Menschen mit Handicap freien Zugang zu öffentlichen sanitären Anlagen. Voraussetzung ist, dass sie einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 80 im Schwerbehindertenausweis, oder 70% plus Merkzeichen G haben. Bei Vorliegen der Merkzeichen aG, B, H, oder BL erhalten sie den Schlüssel unabhängig vom GdB.

In Buxtehude verfügt die Bäckerei „Junge“ über eine Behinderten-Toilette, die komplett barrierefrei ist - wie das dazugehörige Café insgesamt. Auch das als behindertenfreundlich ausgezeichnete Bistro „Hase & Igel“ bietet eine Behinderten-Toilette. Allerdings ist es trotz der Auszeichnung nur bedingt barrierefrei, denn die Eingangstür muss von Hand geöffnet werden. Die städtischen Übersichtstafeln enthalten Informationen in Brailleschrift.

Die Altländer Bimmelbahn ist auf RollstuhlfahrerInnen eingerichtet. E-Rollis könnten jedoch etwas zu breit sein, aber das kann im Vorfeld telefonisch abgeklärt werden.

Wenn eine/r eine Reise tut


Altländer Bimmelbahn
© ALTES LAND

Zunächst einmal, und das gilt für alle, die das Alte Land mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln bereisen wollen: Ja, das Alte Land ist sowohl ans Netz der Metronom-Züge als auch an den HVV angeschlossen. Doch, auch wenn den Abfahrzeiten der Busse eine gewisse Regelmäßigkeit nicht abzusprechen ist - sie fahren für großstädtische Verhältnisse eher gelegentlich. Da gilt es, die Reiseroute gut zu planen und sich die Abfahrzeiten und die Verbindungen vorher herauszusuchen.

Doch damit ist es für diejenigen, die mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl unterwegs sind, nicht getan. Die Bahnhöfe Buxtehude und Stade sind zwar an sich barrierefrei, doch weder die S-Bahn noch der Metronom bieten barrierefreien Ein- und Ausstieg. Laut Webseite des HVV sind die S-Bahnen mit einer Rampe ausgestattet. Sollten Sie diese benötigen, einfach Kontakt mit der Fahrerin/dem Fahrer aufnehmen.

Auch die Metronom-Züge sind standardmäßig mit einer Rampe ausgestattet. Eine Fahrt mit dem Metronom, bei der beim Einstieg Unterstützung benötigt wird, sollte vorher angemeldet werden. Der Fahrplan ist auf der Webseite abrufbar (www.hvv.de; www.der-metronom.de). Außerdem ist bei den Buslinien im Alten Land zu beachten, dass diese nicht standardmäßig Niederflurbusse sind. Es kann aber laut Auskunft des Behindertenführers vorher beim HVV ein solcher bestellt werden. Diese Bestellung gilt dann allerdings für einen ganz bestimmten Bus und nicht für alle der Linie. Auch das setzt eine gute Planung voraus. Die Fahrpläne sind online abrufbar.

Hinzu kommt, dass nicht an allen Bushaltestellen genug Platz für den Ausstieg z.B. mit einem Rollstuhl ist. Auch da ist es ratsam, sich vorher zu erkundigen. In vielen Orten im Alten Land gibt es keine Bürgersteige - allerdings ist das Verkehrsaufkommen dementsprechend, so dass das Benutzen der Fahrbahn nicht lebensgefährlich ist. Informationen zu „barrierefrei unterwegs“ bietet der HVV auf seiner Webseite.

Das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist möglich, aber nicht ganz einfach. Wer es aber trotzdem auf sich nimmt, wird mit Überlandfahrten durch einen der schönsten Landstriche Norddeutschlands belohnt.

Viele Cafés, auch Museen oder kulturelle Eirichtungen in den Touristenorten wie Buxtehude, Jork oder Stade sind auf Besucherinnen und Besucher im Rollator oder Rollstuhl eingerichtet und verfügen über Behinderten-Toiletten. Aber nicht alle. Also ist es im Bedarfsfalle auch da ratsam, sich vorher genau zu erkundigen.

Alles in allem bietet das Alte Land Großstadtmenschen, auch solchen mit kleineren oder größeren oder auch temporären Handicaps (relativ) unkompliziert eine kleine Pause vom Alltagsstress. Bus und Bahn garantieren Urlaub auf dem Land - allerdings mit einer einzigen Bedingung: Die Uhren im Alten Land ticken anders als in der hektischen Großstadt, wer sich dort erholen möchte, muss sich darauf einlassen. Text: Birgit Gärtner

Karte Altes Land
  Legende Altes Land
1 Himmelpforten - Weihnachtspostamt 5 Jork - Herz-Apfel-Garten
2 Stade 6 Finkenwerder - Airbus Flughafen
3 Stade - Museum Schwedenspeicher 7 Neuenfelde - St. Pankratius Kirche
4 Mittelnkirchen - Biohof Ottilie 8 Buxtehude

Fotos: © Birgit Gärtner, © ALTES LAND
Die Fotos der Altländer Bimmelbahn wurden uns von Klaus Kollik, Touristik für Gruppen, zur Verfügung gestellt.
Das Foto „Arp Schnitger“ ist der öffentlichen Facebook-Seite „Arp-Schnitger-Orgel“ entnommen