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Sternschanze

1. März 2018

Ehemaliger Wasserturm im Hamburger Schanzenpark, Stadtteil Sternschanze. Im Vordergrund eine Rasenfläche, im Hintergrund Laubbäume und das jetzige Luxushotel im runtem Wasserturm.

Ehemaliger Wasserturm und jetziger Hotelkomplex im Schanzenpark

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich mag das Schanzenviertel, denn hier trifft man Leute, bekommt Kaffee, der auch noch so heißt und abends werden die Gehwege nicht hochgeklappt. Aber fangen wir am Anfang an…

Von Kanonen, Schweinen und feierwütigem Volk
Im 17. Jahrhundert entstand hier eine sternförmige Verteidigungsanlage, die dem Viertel zu dem noch heute gebräuchlichen Namen verhalf. Die Schanze gehörte damals ebenso wie der Stadtteil Altona zum dänischen Königreich. Der militärische Charakter des Viertels hatte allerdings nicht sehr lange Bestand, schon im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte sich hier – auf der Suche nach Wohnraum im rasant wachsenden Hamburg – ein gutbürgerliches Klientel angesiedelt.

Häuserzeile in der Hamburger Sternschanze. Mischung zwischen Altbau- und Neubauten. Ruhige Anwohnerstraße mit seitlichem Parkplatzstreifen, keine Fußgänger, einige Autos

Neu- und Altbauten in der Schanze

Seine Rolle als Verbindungsstadtteil zwischen Hamburg und Altona wurde 1866 mit der Erbauung der Bahnlinie zwischen den beiden Städten noch einmal deutlich unterstrichen. Und diese vorteilhafte geografische Lage war zweifellos auch der Grund, warum der Tierhändler Carl Hagenbeck 1874 auf dem heutigen Neuen Pferdemarkt seinen nach ihm benannten und später aus Platzgründen nach Stellingen abgewanderten Tierpark einrichtete.

Foto der Roten Flora in Hamburg Sternschanze. Unsaniertes, einstöckiges Altbaugebäude mit Grafitti-Wänden neben luxussaniertem dreistöckigem Altbaugebäude, im Vordergrund die Straße Schulterblatt, dahinter der Archidi-John-Platz

Rote Flora, im Vordergrund der „Achidi-John-Platz“

Ein Viertel der Bewegungen
In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der zentrale Schlachthof Hamburgs an der Schanze gebaut, eine Maßnahme, die das gutbürgerliche in ein kleinbürgerliches Viertel wandelte, denn mit dem Schlachtbetrieb zogen natürlich auch die Arbeiter zu.

Ein Umstand, der dann auch im Nationalsozialismus Folgen hatte: So war der rote Hof in der Barthelstraße ein Ort, an dem sich Hamburgs Widerstandsbewegung etablierte. Auf diese Tradition des Widerstandes gegen die herrschende Politik beriefen sich dann ab den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die noch heute Anspruch auf diesen Stadtteil erheben. Die Rote Flora ist nicht das einzige, aber ein deutlich sichtbares Zeugnis davon.

Schulterblatt, Beim Grünen Jäger in Hamburg Sternschanze. Mehrgestöckiges Altbau - Eckwohngebäude, im Vordergrund eine Fußgänger- und Radfahrerampel

Schulterblatt, Beim Grünen Jäger

Mittlerweile hat sich das Schanzenviertel zu einem multikulturellen Stadtteil entwickelt und sich einen Namen über die Grenzen von Hamburg hinaus gemacht. Im Sommer finden dort auf dem Schulterblatt Feste jeglicher Art statt. Die Anwohner der Schanze sind offen für alles und jeden, sie spiegeln immer noch die Arbeiterbewegung und in ihrem Handeln und sozialem Umgang mit Ihren Mitmenschen wider.

Hamburg anders, vielfältig und echt
Die Schanze ist ein „Muss“ für jeden Besucher, der nicht das typische Hamburg-Programm absolvieren möchte, sondern sich lieber mit den Anwohnern auf ein Bier und einen netten Plausch einlassen möchte. Dort werden fast alle Sprachen gesprochen: Englisch, Türkisch, Portugiesisch, Arabisch, Französisch.

Diverse Kneipen und gastronomische Betriebe, z.B. portugiesische Gebäckspezialisten, Fischrestaurants bis hin zum Traditionsbäcker Stendel, der dort seit über 100 Jahren ansässig ist, laden zum Kommen und Verbleiben ein.

Schulterblatt in Hamburg Sternschanze. Anwohnerstraße mit zahlreichen Cafes, Kneipen und Restaurants, oberhalb von denen Altbau- Wohngebäude.

Schulterblatt

Barrierefreiheit in der Sternschanze
In Sachen Barrierefreiheit ist die Schanze rein baulich nicht gerade ein Vorzeige- Quartier. Kopfsteinpflaster auf den kleineren Querstraßen, Kneipen mit Toiletten im Keller, deren Treppen so steil sind, dass sich selbst bewegliche Menschen bemühen müssen, ohne angeschlagenen Kopf und sturzfrei wieder ins Freie zu gelangen und die Gehwege sind rigoros mit Tischen und abgestellten Fahrräder zugestellt.

Aber dafür ist man hier freundlich und zugewandt. Es sind immer sofort Helfer zur Hand, niemand ist sich zu schade anzupacken und zu tun, was getan werden muss. Denn hier ist Miteinander Programm und Menschlichkeit so etwas ähnliches wie das ungeschriebene Gesetz der Straße. Das macht zwar die baulichen Barrieren nicht kleiner, aber die im Kopf der Menschen sind hier deutlich weniger vorhanden als anderswo.
(Autorin: Stefanie Bill)

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Auf einen Blick

Fläche 0.6 km2
Einwohner Etwa 7800
Einwohner / km2 13000
Barrierefreie Toiletten 0
Postleitzahlen 20357, 20359, 22767, 22769
Visualisierung der örtlichen Lage innerhalb Hamburgs

Kunst und Kultur, Sehenswürdigkeiten, Besonderes

Sehenswürdigkeiten
Rote Flora, Wasserturm im Sternschanzenpark sowie der entsprechende Park, Schanzenfest

Barrierefreier ÖPNV

U-Bahn- Anbindung
Haltestelle Feldstraße (U3). Dort Umstiegsmöglichkeit in Metrobusse 3 und 6.
S-Bahn- Anbindung
Haltestelle Sternschanze (S1, S11, S2, S21, S3, S31). Dort Umstiegsmöglichkeit in Stadtbus 181, Metrobus 15 sowie A1.
Metrobus- Anbindung
3 (Hauptbahnhof, Mönckebergstraße <> Schenefeld, Schenefelder Platz oder Kraftwerk Tiefstack),
6 (U-Feldstraße oder Auf dem Sande, Speicherstadt <> U-Borgweg),
15 (S-Klein Flottbeck oder S-Othmarschen <> Alsterchaussee)
Stadtbus- Anbindung
181 (Jaarsmoor <> U-/S-Sternschanze)
Nachtbus- Anbindung
602 (Immenbusch <> Kraftwerk Tiefstack),
603 (Grothwisch <> Rathausmarkt)