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Fotoausstellung eines stark sehbehinderten Autisten

17. September 2018 | Kategorie: Veranstaltungen

Wenn die Kamera-Linse zum zweiten Auge wird
Zunächst erscheint die Kombination zwischen „stark sehbehindert“ und „Fotograf“ hinderlich, aber die Ergebnisse wissen in jeder Hinsicht zu überzeugen.

Linksseitig Laubbäume, mittig eine zweispurige Bahntrasse mit einer roten Lok, welche sechs Persohnenwagen hinter sich her zieht. Im Hintergrund im Dunst Gebirge, rechts eine Rasenfläche

Eine e-Lok der DB-Baureihe 111 (Lok 100 der 2. Serie) zieht sechs Abteilwagen. Foto: Björn Gögge


Portraitfoto eines 22-jährigen Mannes im dunklem Anzug und mit kurzem Haar steht vor einer seiner Fotografien, welches einen Linienbus zeigt

Björn Gögge vor einem seiner Fotos

Schon im Kindergarten war Björn Gögge anders: während die anderen Kleinen Tiere und Menschen malten, brachte Björn bereits Verkehrsmittel zu Papier. „Vor 10 Jahren bekam ich dann das Interesse zu fotografieren, erzählt der 22-jährige. Das allerdings war nicht selbstverständlich, denn der junge Mann ist stark sehbehindert. Und Autist. Zunächst waren ihm nur Motive wichtig: Eine historische Eisenbahn, ein besonderer Bus, ein Bahnsteig.
Doch irgendwann wurde aus diesen schlichten Bildern mehr. Formen, Licht und Strukturen hatten es ihm angetan. Die Linien von Schienen, die ein Bild kreuzen, oder eine Hafenfähre, die nur aus einem Schatten und als Reihe bunter Linien erscheint, zauberte er mit seiner Kamera.
Björn Gögge ist geduldig. Manchmal wartet er drei Stunden, bis das richtige Objekt vor seine Linse rollt. Wie ein Profi eben. Dem Künstler und einer Gruppe Gleichgesinnter gibt besonders der Bahnhof Harburg optisches Futter: wenn lange Güterzüge vorbeifahren und dann auch noch die Sonne untergeht, fühlt er sich wohl.
Eine Fotoausstellung. Ein Mann mit dunklem Anzug und eine Frau mit rötlich-rosafarbener Jacke. Die Frau zeigt auf ein an der Wand hängendes Foto und erzählt etwas über das Ausstellungsstück

Fotograf Gögge mit Assistenz Fuchs bei der Vernissage

Herr Gögge und seine Alltagsassistentin Marie Fuchs haben nachgerechnet: Inzwischen liegen über 30.000 Aufnahmen in seinem Archiv. Marie brachte Björn dann auch auf die Idee, die schönsten Aufnahmen auszustellen. Unterstützung erhielt der Künstler von der Verwaltung der Stiftung Anscharhöhe, wo er seit einem Jahr wohnt. Bei der Vernissage am 22. September fragten einige Besucher neugierig: „Wie machen Sie das eigentlich, wo Sie doch diese Sehprobleme haben“. Seine Antwort: „Ich mache es einfach.“

Die Ausstellung im Veranstaltungsraum „Wäscherei“ läuft bis Ende des Jahres, Anmeldung bitte unter 040/4669311.

Barrierefreie Anfahrt: Stadtbus 281 und Schnellbus 34 bis Haltestelle „Nedderfeld (Anscharhöhe)“ oder Metrobus 22 und Schnellbus 34 bis Haltestelle „Frickestraße“.
Text und Fotos: Hans Loose