Eppendorfer Landstraße künftig barrierefrei?

13. August 2019 | Kategorie: Zeitungs-Berichte

Der enge Verkehrsraum für Fußgänger und Radfahrer in der Eppendorfer Landstraße ist ein Thema, das im Alltag immer wieder für Probleme sorgt. Die Bezirksversammlung Nord hat daher das Planungs- und Entwicklungsbüro TOLLERORT beauftragt ein Konzept zu entwickeln, um die vorhandene Lage zu entzerren.
Offiziell beginnt das Beteiligungsverfahren zur Zukunft des Abschnitts zwischen Eppendorfer Land- und Goernestraße erst am 16. September 2019 (19 Uhr – Großer Sitzungssaal im Bezirksamt Nord). Doch schon vor der Sommerpause haben die eifrigen Mitarbeiterin des Planungsbüros TOLLERORT erste Interviews geführt: mit Vereinen, Anwohnern, Geschäfts- und Bezirksamts-Leuten.
Am 7. August hat nun auf Initiative des Eppendorfer Bürgervereins eine Gruppe von Fachleuten die Straße in Sachen Barrierefreiheit unter die Lupe genommen.

Ein relativ schmaler Fußweg entlang einer Hauptstraße. Linkseitig unzählige an Pollern angeschlossene Fahrräder

Relativ schmaler Fußweg, an den Pollern zahlreiche angeschlossene Fahrräder, schmaler Radweg und ebenso schmaler Fußweg an einer stark befahrenen Hauptstraße

Als erstes fiel auf, dass der Fahrradweg an vielen Stellen zu schmal ist und dass Radler und Fußgänger sich dabei zwangsläufig ins Gehege kommen. Erstaunt stellten wir fest, dass viele Radfahrer ihre Räder an Bügeln auf der Radwegseite festmachen.
Andreas Heyfelder (Barrierefreies Hamburg e.V.): „Die Fahrradfahrer nehmen sich dadurch ihren ohnehin engen Verkehrsraum.“ Gernoth Lüthje (Bezirksamt Nord) räumte ein, dass die Radfahrer schon jetzt auf der Straße fahren dürfen. Mone Böcker (TOLLERORT) ergänzte, die Frage, wo Fahrradfahrer künftig fahren dürfen und sollen, sei ein zentrales Thema des Beteiligungsverfahrens.

Ein mitten auf dem Fußweg stehender Parkscheinautomat. Rechtsseitig davon ein Radweg. der so schmal ist, dass der Radfahrer den Fußweg nutzt

Ein mitten auf dem Fußweg stehender Parkscheinautomat. Rechtsseitig davon ein Radweg. der so schmal ist, dass der Radfahrer den Fußweg nutzt

Joachim Becker (Kompetenzzentrum Barrierefreiheit) kritisierte unterdessen die langbeinigen Aufsteller vor einigen Geschäften: sie bilden eine Gefahr für Sehbehinderte, die mit Ihrem Stock unter das Plakat geraten und so ins Stolpern geraten könnten. Als Alternative zeigte er auf Kundenstopper, die mit geschlossenen Fußelementen ausgestattet sind. Diese sind mit dem Langstock ertastbar. Dadurch erhält der Sehbehinderte sichere Orientierung.

Öffentliche und Private Bereiche

Häufig ist unklar, wo Privatgelände aufhört und das öffentliche beginnt. Gernoth Lüthje berichtete, dass der Wegewart gelegentlich Händler darauf hinweist, die Aufsteller nicht mitten auf dem Gehweg zu platzieren. Auch Gastronomen stellen gelegentlich ihre Tische und Stühle außerhalb ihres privaten Bereichs. Als Trenn-Möglichkeit nannte Lüthje 3-reihige graue Kleinpflaster-Steine: sie sind deutlich zu sehen und durch die Langstöcke von Blinden zu tasten.

Für Irritationen sorgte bei den Beteiligten ein Parkschein-Automat. Der graue Kasten steht vor Haus 98 mitten auf dem Gehweg.
Schließlich schaute sich die kleine Gruppe noch die Parkanlage auf Westseite der Landstraße an. Die Bänke sind derzeit wenig Senioren-geeignet. Wenn sie einmal ausgetauscht werden, soll auch hier das Modell „Luise“ zum Zuge kommen.

Stahlkannten an den Gehwegen in den Park sowie zwei graue Pfosten wurden als Hindernisse für Radler und Stolperfallen identifiziert.
Das Bezirksamt wird klären, ob sie abgesenkt bzw. mit farbiger Klebefolie markiert werden.

Eine Sitzbank, nicht ganz ohne Stufen erreichbar. Links daneben eine etwas ratlos davorstehende Expertengruppe

Nicht wirklich barrierefrei erreichbare Sitzbank

Der Park an sich ist barrierefrei zugänglich. Nur landen Rollstuhlfahrer, die durch den Park zum Marie-Jonas-Platz wollen, in einer Sackgasse: an der Kastanie endet ihr Weg derzeit an einer 12 cm hohen Stufe.

Text und Fotos: Hans Loose