FC St. Pauli-Museum ist nun auch für Blinde und Sehbehinderte erlebbar

3. Juli 2019 | Kategorie: Veranstaltungen

Ab sofort ist die noch bis zum 11. August laufende Ausstellung Kiezbeben, die sich mit dem FC St. Pauli Mitte bis Ende der 80er Jahre beschäftigt, auch für Blinde und Sehbehinderte Besucher erlebbar. Mit Hilfe der MixedReality-Brille „Microsoft HoloLens“ können blinde und sehbehinderte Personen sich selbstständig frei durch die Ausstellung bewegen und erhalten akustische Informationen über die sich jeweils im Sichtfeld befindlichen Ausstellungsstücke. Somit ist das Vereinsmuseum des FC St. Pauli das weltweit erste, welches diese MixedReality-Brille für den inklusiven und barrierefreien Ausstellungsbesuch durch blinde Personen einsetzt.

Vier Männer und eine Frau vor einer blauen Bretterwand mit FC St. Pauli-Ausstellungsstücken. Der in der Mitte stehende, blinde Mann trägt eine Mixed-Reality-Brille

Von links nach rechts: Christoph Nagel (Vorstand und Kurator FC St. Pauli-Museum), Ewald Lienen (Technischer Direktor FC St. Pauli), Serdal Çelebi (FC St. Pauli-Blindenfußballer, Nationalspieler und „Tor-des-Monats“-Schütze), Marco Richardson (Vorstand Inclusify AG), Christina Marx (Leiterin des Bereichs Aufklärung der Aktion Mensch)

Verwendet wird hierfür eine von der Nürnberger Firma Inclusify als „Blindspotter“ getaufte Anwendung, welche die Benutzer mittels dreidimensionaler akustischer Signale durch die Ausstellung leitet und zu den jeweils im Blickfeld befindlichen Ausstellungsgegenständen beschreibende Informationen liefert. Dieses System wird durch unterschiedliche Lautstärken unterstützt (je näher man einem Ausstellungsstück kommt, desto lauter wird der beschreibende Text vorgelesen). Der Infotext wurde zu jedem Ausstellungsstück von St. Paulis ehemaligem Stadionsprecher und NDR-Moderator Rainer Wulff eingesprochen. Das System erkennt neben den Ausstellungsstücken natürlich auch alle weiteren Hindernisse im Ausstellungsbereich, einschließlich der dort umher laufender Besucher. Somit ist der Besuch der Ausstellung nun auch für sehbehinderte und blinde Personen ohne Hilfspersonen möglich. Aufgrund der sehr starken Verwinkelung der Ausstellungsräume (da in die Museumsräume ursprünglich eine eine Polizeiwache einziehen sollte) wird jedoch empfohlen, dennoch einen Blindenlangstock mitzunehmen.

Am Eingang zur Ausstellung befindet sich übrigens auch noch eine ertastbare Raumübersicht mit akustischen Informationen zu den in den jeweiligen Räumen behandelten Themenbereichen.

Am Museumseingang befindlicher, ertastbarer Raumplan mit Knöpfen für eine akustische Themenansage der jeweiligen Räume

Ertastbarer Raumplan mit akustischer Beschreibung des Themenschwerpunktes

Das FC St. Pauli-Museum ist stufenlos im Erdgeschoss untergebracht und mit einer behindertengerechten Toilette ausgestattet. Innerhalb der Ausstellungsfläche gibt es lediglich einige wenige Zentimeter hohe Höhenunterschiede, vor denen die Brille aber natürlich auch warnt.

Die Benutzung der „BlindSpotter“-Mixed-Reality-Brille ist während der Testphase (mindestens während der Kiezbeben-Ausstellung) kostenlos möglich, ebenso wie der Ausstellungsbesuch für Blinde und Sehbehinderte. Zur Zeit gibt es zwei „Blindspotter“-MR-Brillen. Diese können auf blindspotter.kiezbeben.de vor dem Ausstellungsbesuch reserviert werden.
Weitere Informationen zur Technik der Brille gibt es auf https://blindspotter.kiezbeben.de/technik.html. Weitere Infos zum FC St. Pauli-Museum gibt es unter 1910-museum.de.

Das FC St. Pauli-Museum befindet sich im Millerntor-Stadion unterhalb der Gegengerade (lange Stadionseite auf der Heiligengeistfeldseite) und ist während der Kiezbeben-Ausstellung zu folgenden Zeiten geöffnet: Mittwoch und Freitag von 12-20 Uhr, Donnerstag von 12 bis 22 Uhr (ergänzt durch ein thematisches Abendprogramm, den Kiezbeben-Nächten) und Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 19 Uhr.

Die barrierefreie Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann mit der U3 sowie den Metrobussen 3 und 27 bis zur Haltestelle Feldstraße erfolgen (Achtung, auf dem südlichen Abschnitt der U3 kein Betrieb zwischen Baumwall und St. Pauli).
Die nächsten barrierefreien Parkplätze befinden sich im Parkhaus der Rindermarkthalle.